Über Geld reden Paare seltener als über fast alles andere, und meistens erst, wenn es Streit gibt. Dabei ist die Organisation der gemeinsamen Ausgaben kein Gefühlsthema, sondern eine Frage der Aufteilung.
Das Drei-Konten-Modell
Die verbreitetste Lösung, weil sie gemeinsame und private Ausgaben trennt, ohne dass jede Anschaffung zur Absprache wird.
- Ein Gemeinschaftskonto für alles, was beide betrifft: Miete, Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Lebensmittel, gemeinsame Anschaffungen.
- Zwei Einzelkonten, auf denen die Gehälter eingehen und von denen jede Person ihre persönlichen Ausgaben bestreitet.
- Ein fester Monatsbetrag fließt von jedem Einzelkonto aufs Gemeinschaftskonto.
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Ohne feste Überweisung wird das Gemeinschaftskonto zum Fass ohne Boden, und am Monatsende rechnet doch wieder jemand nach.
Welche Kontoform sinnvoll ist und wie es um Haftung und Einlagensicherung steht, steht im Beitrag zum Gemeinschaftskonto.
Hälftig oder nach Einkommen
Hier entscheidet sich, ob das Modell als gerecht empfunden wird.
Ein Beispiel: Gemeinsame Fixkosten von 2.000 Euro im Monat, ein Nettoeinkommen von 3.500 Euro, das andere von 1.800 Euro.
| Aufteilung | Person A zahlt | Person B zahlt | Rest A | Rest B |
|---|---|---|---|---|
| hälftig | 1.000 Euro | 1.000 Euro | 2.500 Euro | 800 Euro |
| nach Einkommen (66 zu 34) | 1.320 Euro | 680 Euro | 2.180 Euro | 1.120 Euro |
Bei hälftiger Teilung bleibt der einen Person gut das Dreifache zum Leben. Bei Aufteilung nach Nettoeinkommen bleibt beiden ein ähnlicher Anteil ihres Einkommens.
Beides ist vertretbar, aber es sollte eine bewusste Entscheidung sein. Die Rechnung dauert zehn Minuten: Addiere beide Nettoeinkommen, teile jedes durch die Summe, und du hast die Anteile.
Was auf welches Konto gehört
Die häufigste Streitfrage ist nicht die Miete, sondern die Grauzone. Eine Faustregel, die in der Praxis gut funktioniert: Was beide nutzen, zahlen beide. Was einer allein nutzt, zahlt einer allein.
- Gemeinsam: Wohnen, Lebensmittel, Haushalt, gemeinsame Versicherungen, gemeinsames Auto, Urlaub, Anschaffungen für die Wohnung
- Privat: Kleidung, Hobbys, eigene Abos, Geschenke füreinander, eigenes Handy, private Altersvorsorge
Bei Kindern verschiebt sich das: Deren Kosten gehören auf die gemeinsame Seite, ebenso Einkommenseinbußen durch Elternzeit oder Teilzeit. Genau hier ist die Aufteilung nach Einkommen besonders wichtig, weil sonst die Person mit reduzierter Arbeitszeit doppelt belastet wird.
Gemeinsam mitschreiben
Wenn ihr ein Haushaltsbuch führt, sollte es beiden zugänglich sein. Zwei Wege:
- Geteilte Tabelle in einer Cloud, beide tragen ein. Datensparsam und ohne Kosten.
- App mit Mehrbenutzerfunktion, beide sehen dieselben Auswertungen. Achte auf die Punkte aus unserem Beitrag zu Haushaltsbuch-Apps, besonders auf den Kontozugriff. Bei einem Gemeinschaftskonto gibst du damit auch die Umsätze der anderen Person weiter, das solltet ihr gemeinsam entscheiden.
Einmal im Jahr nachrechnen
Einkommen ändern sich, Fixkosten auch. Setzt euch einmal jährlich zusammen und prüft:
- Stimmen die Anteile noch zum aktuellen Einkommen?
- Reicht der monatliche Betrag für die tatsächlichen Fixkosten?
- Ist der Puffer für Jahresposten groß genug?
- Gibt es Abos auf dem Gemeinschaftskonto, die niemand mehr nutzt?
Das Wichtigste in Kürze
Das Drei-Konten-Modell trennt Gemeinsames von Privatem, ohne dass jede Ausgabe zur Absprache wird. Entscheidend ist ein fester Monatsbetrag, der auf das Gemeinschaftskonto fließt.
Ob ihr hälftig oder nach Einkommen teilt, ist eine bewusste Entscheidung. Bei deutlich unterschiedlichen Gehältern führt die hälftige Teilung dazu, dass einer kaum etwas zum Leben behält. Lasst einen Puffer für Jahresposten auf dem Konto und haltet große Einmalbeträge davon fern, sonst wird aus einer Überweisung ungewollt eine steuerpflichtige Schenkung.
Häufige Fragen
- Sollten wir die Fixkosten hälftig oder nach Einkommen teilen?
- Beides ist vertretbar. Bei deutlich unterschiedlichen Einkommen führt die hälftige Teilung dazu, dass der Person mit weniger Gehalt kaum etwas zum Leben bleibt. Die Aufteilung nach Nettoeinkommen lässt beiden einen ähnlichen Anteil.
- Was gehört aufs Gemeinschaftskonto?
- Was beide nutzen: Wohnen, Lebensmittel, Haushalt, gemeinsame Versicherungen, Urlaub, Kosten für Kinder. Privates wie Hobbys, Kleidung und eigene Abos bleibt auf den Einzelkonten.
- Wie viel Puffer sollte auf dem Gemeinschaftskonto liegen?
- Fünf bis zehn Prozent über den reinen Fixkosten sind eine gute Orientierung. Damit fangt ihr Jahresposten wie die Nebenkostenabrechnung oder eine Reparatur ab, ohne kurzfristig nachschießen zu müssen.
- Dürfen wir große Beträge über das gemeinsame Konto laufen lassen?
- Besser nicht. Zahlt eine Person deutlich mehr ein, kann das Finanzamt die Hälfte als Schenkung werten. Bei unverheirateten Paaren liegt der Freibetrag bei nur 20.000 Euro in zehn Jahren.
Über den Autor
Finazent Redaktion
Redaktion
Die Redaktion von Finazent recherchiert Konditionen, prüft Anbieterangaben gegen die offiziellen Preis- und Leistungsverzeichnisse und schreibt daraus verständliche Ratgeber.
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