Wer bei seinem Broker unzufrieden ist, muss seine Papiere nicht verkaufen. Ein Depotübertrag bringt sie zum neuen Anbieter, ohne dass ein steuerpflichtiger Verkauf entsteht. Vorausgesetzt, ein Punkt stimmt.
Der entscheidende Unterschied
Das Formular fragt, ob der Übertrag mit oder ohne Gläubigerwechsel erfolgen soll. Diese Angabe entscheidet über die Steuer.
| ohne Gläubigerwechsel | mit Gläubigerwechsel | |
|---|---|---|
| Eigentümer | bleibt derselbe | wechselt |
| Steuerlich | kein Verkauf, neutral | gilt als Veräußerung oder Schenkung |
| Anschaffungsdaten | wandern mit | werden neu angesetzt |
| Typischer Fall | eigenes Depot woanders | Übertrag an Partner oder Kind |
Für einen normalen Depotwechsel ist ohne Gläubigerwechsel richtig. Wer hier versehentlich das andere ankreuzt, löst einen steuerpflichtigen Vorgang aus.
Warum die Anschaffungsdaten so wichtig sind
Beim Übertrag wandern Kaufkurs und Kaufdatum mit. Die abgebende Bank meldet sie an die aufnehmende. Daraus berechnet der neue Broker später den steuerpflichtigen Gewinn.
Fehlen diese Daten, unterstellt der neue Broker eine Ersatzbemessungsgrundlage: 30 Prozent des Verkaufserlöses gelten als Gewinn, unabhängig davon, was du tatsächlich gezahlt hast. Das Geld holst du dir über die Steuererklärung zurück, aber nur mit Belegen und erst im Folgejahr.
Das passiert vor allem bei Überträgen aus dem Ausland, weil ausländische Institute die Daten nicht automatisch liefern. Bewahre in diesem Fall die alten Abrechnungen auf.
Was der Übertrag kostet und dauert
Kosten: In Deutschland nichts. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Banken für die Übertragung von Wertpapieren kein Entgelt verlangen dürfen, weil sie damit nur eine vertragliche Nebenpflicht erfüllen. Fremde Spesen ausländischer Lagerstellen können in Einzelfällen anfallen.
Dauer: Zwei bis sechs Wochen sind üblich. Der neue Anbieter organisiert den Übertrag, du reichst nur das Formular ein.
Währenddessen: Die Papiere sind zeitweise weder hier noch dort handelbar. Wer aktiv handelt, sollte das einplanen. Sparpläne laufen im alten Depot weiter, bis du sie stoppst.
Der Ablauf
- Neues Depot eröffnen. Der Übertrag geht nur in ein bestehendes Depot.
- Übertragsformular beim neuen Anbieter ausfüllen. Dort stehen die alte Depotnummer, die Papiere und die Entscheidung zum Gläubigerwechsel.
- Sparpläne im alten Depot stoppen, sonst kaufst du weiter dort ein.
- Warten. Der neue Anbieter meldet sich, wenn die Papiere eingebucht sind.
- Anschaffungsdaten prüfen. Erscheinen Kaufkurs und Kaufdatum korrekt im neuen Depot? Wenn nicht, sofort reklamieren, später wird es mühsam.
- Altes Depot schließen, wenn nichts mehr drin ist.
Viele Anbieter zahlen eine Wechselprämie. Die ist steuerpflichtig und wird meist als Ertrag verbucht, sie mindert also deinen Sparerpauschbetrag.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Depotübertrag ist kostenlos und steuerneutral, solange du ohne Gläubigerwechsel überträgst. Der Eigentümer muss derselbe bleiben, auch zwischen Ehepartnern gilt ein Wechsel als Wechsel.
Achte darauf, dass Kaufkurs und Kaufdatum im neuen Depot korrekt ankommen. Fehlen sie, setzt der Broker pauschal 30 Prozent des Erlöses als Gewinn an. Kläre vorher, was mit Bruchstücken passiert, und stoppe die Sparpläne im alten Depot.
Häufige Fragen
- Kostet ein Depotübertrag etwas?
- In Deutschland nicht. Banken dürfen für die Übertragung von Wertpapieren kein Entgelt verlangen. Fremde Spesen ausländischer Lagerstellen können im Einzelfall anfallen.
- Muss ich meine Papiere verkaufen, um den Broker zu wechseln?
- Nein. Beim Übertrag ohne Gläubigerwechsel bleiben die Papiere erhalten, es entsteht kein steuerpflichtiger Verkauf, und die Anschaffungsdaten wandern mit.
- Was passiert, wenn die Anschaffungsdaten fehlen?
- Dann setzt der neue Broker beim späteren Verkauf pauschal 30 Prozent des Erlöses als Gewinn an. Über die Steuererklärung lässt sich das mit Belegen korrigieren, aber erst im Folgejahr.
- Wie lange kann ich während des Übertrags nicht handeln?
- Üblich sind zwei bis sechs Wochen. In dieser Zeit sind die Papiere weder im alten noch im neuen Depot handelbar.
- Ist die Wechselprämie steuerfrei?
- Nein, sie wird in der Regel als Kapitalertrag verbucht und mindert damit deinen Sparerpauschbetrag.
Über den Autor
Finazent Redaktion
Redaktion
Die Redaktion von Finazent recherchiert Konditionen, prüft Anbieterangaben gegen die offiziellen Preis- und Leistungsverzeichnisse und schreibt daraus verständliche Ratgeber.
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