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Was eine Order wirklich kostet

Die Ordergebühr ist nur ein Teil der Rechnung. Handelsplatzentgelt, Spread und Fremdkostenpauschale kommen dazu, und bei kleinen Käufen ist der Spread oft der größte Posten. Eine Beispielrechnung.

Finazent Redaktion4 Min. Lesezeit
Münzstapel und Kursdiagramm als Sinnbild für die Kostenbestandteile einer Wertpapierorder

Broker werben mit einem Preis: „1 Euro pro Order" oder „dauerhaft kostenlos". Was du tatsächlich zahlst, steht selten in dieser Zahl. Eine Wertpapierorder hat bis zu vier Kostenblöcke, und der auffälligste ist nicht immer der größte.

Die vier Posten

Ordergebühr. Was der Broker für die Ausführung berechnet. Entweder ein Festpreis, oder ein Grundentgelt plus ein Anteil vom Volumen, oft gedeckelt. Das ist der Posten, mit dem geworben wird.

Handelsplatzentgelt. Was die Börse für ihre Dienstleistung nimmt. Bei deutschen Regionalbörsen wenige Euro, bei Xetra volumenabhängig, bei außerbörslichen Handelspartnern meist null. Manche Broker geben dieses Entgelt weiter, andere schlagen es in ihren Preis ein.

Spread. Die Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs. Du kaufst zum höheren Kurs und verkaufst zum niedrigeren, die Differenz bleibt beim Handelspartner. Der Spread taucht auf keiner Abrechnung als Gebühr auf, weil er im Kurs steckt.

Fremdkostenpauschale. Bei ausländischen Handelsplätzen, teils auch bei Fonds. Steht im Preisverzeichnis, nicht in der Werbung.

Eine Beispielrechnung

Kauf von ETF-Anteilen für 1.000 Euro, einmal bei einem Anbieter mit Festpreis und einmal bei einem gebührenfreien Neobroker.

PostenAnbieter ANeobroker B
Ordergebühr4,90 Euro0,00 Euro
Handelsplatzentgelt1,50 Euro0,00 Euro
Spread (angenommen 0,05 % gegen 0,25 %)0,50 Euro2,50 Euro
Summe6,90 Euro2,50 Euro

Bei 1.000 Euro gewinnt der Neobroker deutlich. Jetzt dieselbe Rechnung mit 20.000 Euro:

PostenAnbieter ANeobroker B
Ordergebühr4,90 Euro0,00 Euro
Handelsplatzentgelt1,50 Euro0,00 Euro
Spread10,00 Euro50,00 Euro
Summe16,40 Euro50,00 Euro

Das Verhältnis dreht sich, weil die Gebühren gedeckelt sind, der Spread aber mit dem Volumen mitwächst. Feste Gebühren sind bei kleinen Beträgen teuer, der Spread bei großen.

Wie du den Spread einschätzt

Du siehst ihn direkt im Orderfenster: Dort stehen Geldkurs und Briefkurs. Die Differenz geteilt durch den Mittelkurs ist der Spread in Prozent.

Drei Faktoren machen ihn größer:

  • Handelszeit. Außerhalb der Börsenzeiten des Heimatmarkts wird die Spanne breiter. Ein US-Papier um neun Uhr morgens deutscher Zeit hat einen spürbar schlechteren Kurs als um 16 Uhr.
  • Handelsvolumen des Papiers. Große Standardwerte und breite ETFs haben enge Spannen, Nebenwerte und exotische Fonds nicht.
  • Handelsplatz. Außerbörsliche Anbieter stellen eigene Kurse. Bequem, aber ohne die Aufsicht einer Börse.

Was für dich zählt

Statt Preistabellen zu vergleichen, rechne mit deinem eigenen Verhalten:

  • Sparplan über 200 Euro im Monat: Die Ordergebühr ist entscheidend, viele Anbieter führen Sparpläne kostenlos aus. Der Spread fällt bei diesen Beträgen kaum ins Gewicht.
  • Einmalanlage über 20.000 Euro: Der Spread dominiert. Achte auf den Handelsplatz und handle zur Haupthandelszeit.
  • Häufiger Handel mit Einzelwerten: Beides zählt, dazu die Frage, ob dein Anbieter Teilausführungen getrennt abrechnet. Das kann eine Order unerwartet verdoppeln.

Das Wichtigste in Kürze

Die beworbene Ordergebühr ist nur ein Teil der Kosten. Dazu kommen Handelsplatzentgelt, Fremdkostenpauschale und vor allem der Spread, der in keiner Abrechnung auftaucht, weil er im Kurs steckt.

Als Faustregel: Bei kleinen Beträgen fallen feste Gebühren stark ins Gewicht, bei großen der Spread. Wer einmalig 20.000 Euro anlegt, fährt mit einem Anbieter mit festen Gebühren und engem Spread oft besser als mit einem gebührenfreien. Setze in jedem Fall ein Limit, das kostet nichts und schützt vor schlechten Kursen.

Häufige Fragen

Wieso können manche Broker Orders kostenlos anbieten?
Sie verdienen an der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs oder an einer Rückvergütung des Handelspartners. Die Order ist gebührenfrei, der Preis des Papiers aber etwas ungünstiger.
Wo sehe ich den Spread?
Im Orderfenster als Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs. Geteilt durch den Mittelkurs ergibt sich der Spread in Prozent. Bei breiten ETFs liegt er in Bruchteilen eines Prozents, bei Nebenwerten deutlich höher.
Ab welchem Betrag lohnt sich ein Anbieter mit festen Gebühren?
Das hängt vom Spread ab, aber als Orientierung: Feste Gebühren sind meist gedeckelt, der Spread wächst mit dem Volumen. Ab dem mittleren vierstelligen Bereich kippt die Rechnung häufig zugunsten fester Gebühren.
Was ist eine Teilausführung?
Wenn eine Order nicht auf einmal bedient werden kann, wird sie in mehreren Schritten ausgeführt. Manche Anbieter berechnen jede Teilausführung einzeln. Steht im Preisverzeichnis und kann eine Order spürbar verteuern.

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Die Redaktion von Finazent recherchiert Konditionen, prüft Anbieterangaben gegen die offiziellen Preis- und Leistungsverzeichnisse und schreibt daraus verständliche Ratgeber.

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