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Score-Durchschnitt: Warum der Mittelwert wenig aussagt

Über 74 Prozent liegen bei 97,22 Prozent oder höher. Entscheidend ist deshalb nicht der Durchschnitt, sondern in welcher Risikozone dein Wert liegt.

Finazent Redaktion5 Min. Lesezeit
Diagramm zur Verteilung von Bonitätswerten auf einem Bildschirm

Du hast eine Kreditkarte im Blick, vergleichst einen Ratenkredit oder suchst eine Wohnung. Dann taucht dieselbe Frage auf: Wie gut ist mein Score eigentlich?

Die einzelne Zahl sagt wenig, wenn du nicht weißt, wie sie eingeordnet wird. Genau dafür lohnt der Blick auf die Verteilung in Deutschland.

Wofür der Score im Alltag zählt

Anbieter schätzen damit ein, wie wahrscheinlich Zahlungsausfälle sind. Das wirkt unsichtbar, hat aber direkte Folgen für die Konditionen, die du bekommst.

Die Schufa ist keine Bank, sondern eine Auskunftei. Sie speichert bonitätsrelevante Daten zu Konten, Verträgen, Zahlungsstörungen und Anfragen. Seit der Reform werden zwölf offengelegte Kriterien berücksichtigt, Einkommen und Vermögen gehören nicht dazu.

Relevant wird er nicht nur bei klassischen Krediten, sondern auch bei Kreditkarten, Mobilfunkverträgen, Mietverhältnissen und Käufen auf Rechnung.

Wie der Basisscore funktioniert

Der Basisscore ist kein statischer Wert. Er wird quartalsweise neu berechnet und als Prozentwert auf einer Skala von 0 bis 100 geführt. Mit der Reform kam zusätzlich eine Punkteskala von 100 bis 999 hinzu, dort beginnt „gut" ab 709 Punkten und „hervorragend" ab 776 Punkten.

Ein hoher Wert steht für ein niedrigeres Ausfallrisiko. Beide Systeme meinen dieselbe Richtung, nur in unterschiedlicher Darstellung.

In den Score fließen unter anderem Zahlungsstörungen, die Dauer von Konten und Verträgen, Kreditanfragen der letzten zwölf Monate und laufende Ratenkredite ein.

Die tatsächliche Verteilung

Viele Beiträge tun so, als gäbe es einen einzigen typischen Wert. Das greift zu kurz: Die Verteilung liegt stark im oberen Bereich.

Mehr als 74 Prozent liegen bei 97,22 Prozent oder mehr, weitere 12,6 Prozent zwischen 93,54 und 97,21 Prozent. Nur rund 13 Prozent fallen in die Kategorien „akzeptabel", „ausreichend" oder „ungenügend".

ScorebereichRisikoeinschätzungTypische Folgen
über 97,5 Prozentsehr geringes Ausfallrisikomeist unproblematische Einstufung
95 bis 97,5 Prozentgeringes bis überschaubares Risikogut nutzbar, Konditionen anbieterabhängig
90 bis 95 Prozentzufriedenstellend bis erhöhtes Risikomehr Prüfung möglich, strengere Konditionen
unter 90 Prozentdeutlich erhöhtes Risikohäufig strengere Bedingungen oder Ablehnung

Die Faktoren

Infografik zu den Faktoren, die den Schufa-Score beeinflussen
Zwölf Kriterien, aber weder Einkommen noch Vermögen.

Am stärksten wirken Zahlungsstörungen. Positiv wirken lange bestehende Verträge und ein geordnetes Zahlungsverhalten. Ungünstig sind viele Anfragen und Abschlüsse in kurzer Zeit.

Nicht enthalten sind Einkommen, Vermögen, Beruf oder Familienstand. Genau das überrascht viele, zeigt aber, dass der Score eine Risikoeinschätzung aus Vertragsverläufen ist, keine Vermögensbewertung.

Was der Wert praktisch bewirkt

Infografik zu den Auswirkungen unterschiedlicher Bonitätswerte auf Kredite und Karten
Ein guter Score öffnet keine Türen automatisch, erleichtert aber die Bedingungen.
AnlassWas geprüft wirdWas ein guter Score bewirkt
KreditkarteBonität, Vertragsverhaltenbessere Ausgangslage für Zusage und Limit
RatenkreditBonität, Rückzahlungsrisikogünstigere Konditionen möglich
MobilfunkvertragZahlungs- und Vertragshistorieweniger Rückfragen, einfachere Freigabe
WohnungsmieteZuverlässigkeit bei Zahlungenbessere Chance auf eine positive Einschätzung

Es gibt keine pauschale Regel, nach der ein bestimmter Score immer dieselben Limits oder Zinssätze auslöst. Jeder Anbieter entscheidet nach eigenen Kriterien.

Den eigenen Wert abrufen

Dreistufige Infografik zum kostenlosen Abruf des Schufa-Scores und der Jahresübersicht
Zwei kostenlose Wege: Datenkopie und digitaler Score im Account.

Die Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO ist kostenlos und zeigt sowohl die gespeicherten Daten als auch den hinterlegten Score. Alternativ rufst du den digitalen Score im Account ab.

Konkrete Maßnahmen

Infografik mit fünf Tipps zur Verbesserung des Schufa-Scores
Fünf Gewohnheiten, die zuverlässig wirken.
  • Rechnungen pünktlich zahlen: der wichtigste einzelne Faktor.
  • Anfragen bündeln: mehrere Vergleiche innerhalb eines kurzen Zeitfensters statt verteilt über Monate.
  • Alte Verträge behalten: die Dauer bestehender Konten und Karten wirkt positiv.
  • Daten regelmäßig prüfen: falsche oder veraltete Einträge korrigieren lassen.
  • Kreditrahmen nicht ausreizen: dauerhaft hohe Auslastung wirkt angespannt.

Das Wichtigste in Kürze

Der Durchschnitt hilft kaum weiter, weil die Werte dicht beieinanderliegen: Über 74 Prozent erreichen 97,22 Prozent oder mehr. Entscheidend ist deshalb die Zone, in der dein Wert liegt.

Schon der Unterschied zwischen 95 und 97,5 Prozent kann darüber entscheiden, ob ein Anbieter ohne Rückfragen zusagt. Prüfe deinen Wert deshalb mit der kostenlosen Datenkopie und ordne ihn in die Risikoklassen ein, statt nach einem Mittelwert zu suchen.

Häufige Fragen

Wie verteilt sich der Score in Deutschland?
Stark im oberen Bereich: Mehr als 74 Prozent liegen bei 97,22 Prozent oder höher, weitere 12,6 Prozent zwischen 93,54 und 97,21 Prozent. Nur rund 13 Prozent liegen darunter.
Ab wann gilt ein Score als gut?
Auf der Punkteskala beginnt „gut“ ab 709 Punkten, „hervorragend“ ab 776 Punkten. In Prozent gelten über 97,5 Prozent als sehr geringes Ausfallrisiko.
Fließt mein Einkommen in den Score ein?
Nein. Einkommen und Vermögen gehören nicht zu den zwölf offengelegten Kriterien. Bewertet werden Vertrags- und Zahlungsverläufe.
Wie oft ändert sich der Basisscore?
Er wird quartalsweise neu berechnet. Änderungen im Zahlungsverhalten wirken sich deshalb nicht sofort, sondern mit Verzögerung aus.

Über den Autor

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Die Redaktion von Finazent recherchiert Konditionen, prüft Anbieterangaben gegen die offiziellen Preis- und Leistungsverzeichnisse und schreibt daraus verständliche Ratgeber.

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